„Kirche als Volk aus allen Völkern“ – Bischof Gerber beim Schleider Schneefest

Mitteilung des Bistums Fulda

Zum 400. Mariae-Schnee-Gelöbnis in Schleid hat Bischof Dr. Michael Gerber in seiner Festpredigt zu Solidarität, Gemeinschaft und einem erneuerten christlichen Zeugnis aufgerufen.

Das Gelöbnis, das in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und der Pest entstand, sei bis heute Ausdruck einer Hoffnung, die Gemeinschaft stifte und Kirche als „Volk aus allen Völkern“ erfahrbar werden lasse.

Das Jubiläum sei Anlass zu großer Dankbarkeit für vier Jahrhunderte gelebter Treue zum Mariae-Schnee-Gelöbnis, sagte der Bischof. Es sei Jahr für Jahr eingelöst worden – in Zeiten des Krieges und des Friedens ebenso wie während der deutschen Teilung.

Das Fest habe die Identität der Menschen in Schleid, Kranlucken und der gesamten Region geprägt und über Generationen hinweg Glaubensbiografien mitgestaltet.

Krisen fordern Glauben heraus

Im Mittelpunkt der Festpredigt stand das Wort Mariens bei der Verkündigung: „Quomodo fiet istud?“ – „Wie soll das geschehen?“ (Lk 1,34). Sowohl im Evangelium als auch in den historischen Aufzeichnungen des Schleider Pastors Johannes Gutwein gehe dieser Frage ein Erschrecken voraus.

Gutwein schildere das Jahr 1626 als eine Zeit von Krieg, Pest, Flucht und Verzweiflung. Die Berichte machten deutlich, wie existenzielle Angst Menschen voneinander trennen könne.

Diese Erfahrung reiche bis in die Gegenwart hinein, betonte Gerber. Schwere Schicksalsschläge oder eine schwere Erkrankung könnten Vereinsamung fördern. Maria nehme die Spannung zwischen Gottes Zusage und ihrer eigenen Lebenswirklichkeit ernst.

Religion rechtfertigt keine Gewalt

Der Lebensweg Mariens zeige, dass existenzielle Herausforderungen Beziehungen wachsen lassen könnten, hob der Bischof hervor. Mit ihrem „Ja“ zu ihrem Auftrag öffne sie sich dem Weg Gottes.

Darin werde sichtbar, dass Gott Menschen nicht an Krisen vorbeiführe, sondern durch sie hindurch in eine neue Wirklichkeit.

Unter dem Kreuz müsse Maria zugleich erfahren, dass religiöse Autoritäten glaubten, im Auftrag Gottes zu handeln. Das Leid, das ihrem Sohn und ihr selbst zugefügt werde, lasse sich jedoch durch nichts rechtfertigen.

Mit Blick auf aktuelle Ereignisse warnte Gerber davor, dass auch heute Täter ihre Gewalttaten und Morde religiös begründeten. Religion dürfe niemals zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden.

Solidarität als Auftrag

Krisen führten viele Menschen zu Entsolidarisierung nach dem Grundsatz: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“, so Gerber. Maria weise einen anderen Weg.

Die Herausforderungen ihres Lebens brachte sie tiefer in die Beziehung zu Gott und den Menschen und schließlich in den Dienst am Aufbau der Kirche zu einem Volk aus allen Völkern.

Die Menschen in der Region hätten sich vor 400 Jahren in ihrer Not an Maria gewandt. Darin liege bis heute ein Auftrag, betonte der Bischof.

Wo Menschen sich in den Herausforderungen ihrer Zeit an Christus orientierten, wachse eine solidarische Gemeinschaft. Das Gelöbnis ermutige dazu, auch heute Zeugnis für Christus zu geben und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Festgottesdienst und Prozession zum Jubiläum

Bischof Gerber feierte den Festgottesdienst zum 400. Mariae-Schnee-Gelöbnis gemeinsam mit vielen hundert Gläubigen, mit dem Schleider Pastor Dr. Jürgen Kämpf sowie den Konzelebranten in und vor der Pfarrkirche Maria Schnee. Im Anschluss führte eine Prozession durch den Ort zu festlich geschmückten Stationen.

Gerber dankte allen, die zum Gelingen des traditionsreichen Festes beigetragen hatten. Besonders die große Zahl an Helferinnen und Helfern zeige eine lebendige Gemeinschaft, die das Schneefest über Generationen hinweg trage, sagte Gerber.

Bereits im Vorfeld hatten eine Vesper, ein Theaterstück und weitere Gottesdienste auf das Jubiläum eingestimmt. Im Rahmen der Feierlichkeiten segnete der Bischof zudem zahlreiche Kinder.

Stichwort: Schneefest

Das Schleider „Schneefest“ geht auf das Jahr 1626 zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Region von Pest und Hungersnot heimgesucht.

In dieser Not legten die Gläubigen ein Gelöbnis ab: Jedes Jahr am 5. August sollte die Gottesmutter Maria um ihren Beistand angerufen werden.

Das Datum erinnert an den Weihetag der römischen Basilika Santa Maria Maggiore. Deren Gründung geht der Überlieferung nach auf das sogenannte „Schneewunder“ zurück: Am 5. August 358 soll auf dem Esquilin-Hügel mitten im Sommer Schnee gefallen sein.

Papst Liberius ließ an dieser Stelle die Basilika errichten. Bis heute wird das Ereignis alljährlich symbolisch nachgestellt, wenn weiße Blütenblätter von der Loggia der Kirche auf den Vorplatz wie Schnee herabschweben.